Lebendige Herbergssuche

Als Herbergssuche wird in der christlichen Tradition die vergebliche Suche von Josef und Maria nach einer Unterkunft vor der Geburt von Jesus bezeichnet.

In der Adventszeit sind Aufführungen der Herbergssuche und das Singen von Liedern Bräuche, die bis heute gepflegt werden. Ein Brauch stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde vor allen Dingen von den Jesuiten verbreitet.

Die Gläubigen sollten die Heilige Familie – im wörtlichen Sinne - bei sich aufnehmen. Es wurde ein Marienbild, eine geschnitzte Heilige Familie oder eine Krippe zu einer Familie gebracht, die ihr für einen Abend „Asyl“ gewährte. Damit wurde symbolisiert, dass die Menschen – anders als damals in Bethlehem - bereit waren, Jesus Platz in ihren Häusern zu geben.

Schon zu DDR-Zeiten wurde eine Tragekrippe gebaut. Pfarrer Sand von der damaligen Kath. Gemeinde Sassnitz hat sie in den 70-iger Jahren gebaut. Sie ist vor einigen Jahren wiederentdeckt worden. Zu erst wurde sie von katholischen Familien zur Herbergssuche weitergegeben. Seit 2 Jahren beteiligen sich auch ev. Christen bei der Herbergssuche. Dies ist ein schönes Zeichen von gelebter Ökumene.

Bei der Herbergssuche ist man bereit mindestens an zwei Abenden etwas Zeit zu schenken. An einem Tag wird die Krippe zu einer Familie gebracht, die diese für einen Abend bei sich aufnimmt und am nächsten Tag einem anderen Gemeindemitglied oder einer befreundeten Familie zur Herberge anvertraut. Bei der Übergabe von einer Familie zur anderen wird eine kleine Feier gestaltet, bei der gemeinsam gesungen, gebetet oder ein besinnlicher Text gelesen wird. Danach ist man ungezwungen zusammen.

Dieses gemeinsame Feiern im Kreis von Freunden und Familie hilft in der sonst so hektischen Zeit, etwas Ruhe und Besinnung zu finden, ermöglicht Begegnungen mit Menschen und trägt ein bisschen dazu bei, die Adventszeit intensiver zu erleben und sich auf das Wesentliche, die Ankunft des Herrn vorzubereiten.

Auch in diesem Jahr soll die Tradition auf der Insel Rügen fortgeführt werden. Im Doodle-Kalender (bitte im Pfarrbüro erfragen) kann man eintragen, wann man die Herberge aufnehmen möchte. Man kann aber auch erfahren, wann und wo die Herberge zu Gast ist. Hier ist jeder herzlich eingeladen.